Willkommen in der Familie, kleine Zentaura-Kindergeschichte

Hier komen die Geschichten rein, die nur bedingt etwas mit dem laufenden GemeinschaftsRP zutun haben. Zum Beispiel:
Kindergeschichten;
die Reise bis Moonhaven;
Briefe mit Familienangehörigen, Freunden etc, die im RP angeschnitten werden;
Märchen, Sagen etc.
Eben alles, was ihr im RP nur Nebenbei erwähnt und dann uns Schreibern detailiert mitteilen wollt oder was euch während einer Antwort nicht eingefallen ist und deswegen ziemlich allgemein gehalten wurde, etc. :D

Willkommen in der Familie, kleine Zentaura-Kindergeschichte

Beitragvon fuyu » Di 14. Jan 2020, 23:07

Der kleine, schmächtige Minotaur stand vor den größeren Jungs und hatte die Hände zu festen Fäusten geballt. Das Blut, das aus seinen Nüstern rann wurde bei jedem der schweren Atemzüge zu feinstem Nebel zerstäubt. “Ihr sollt mich in Ruhe lassen!” Seine Augen brannten, aber er würde sich jetzt nicht noch die Blöße geben und vor den älteren Minotauren aus seiner Unterrichtsgruppe zu weinen beginnen. Es reichte, daß er bei der Prügelei mit fliegenden Fahnen untergegangen war. Er wischte sich mit der Faust über das schmerzende Auge. Er sah darauf, seit er den Schlag eingefangen hatte, etwas verschwommen. Wahrscheinlich schwoll es jetzt langsam zu. Und das alles nur, weil er zwei Jahre jünger, um einiges kleiner und schwächer als die anderen Jungs war und trotzdem um einiges mehr Verstand zwischen den Hörnern hatte. Diese Vollidioten.

“Was ist hier los?” Die sonst so weiche Stimme des Weisen klang streng, als er den Karren mit den Sammelkisten, die er geholt hatte, einfach stehen ließ und zu den Jungen ging. “Pantelis, du blutest. Was ist passiert?” Die Zähne knirschten leise, so fest presste der zehnjährige Minotaur die Kiefer zusammen. Wenn er jetzt sagen würde, daß er von den vier zeitgleich angefallen und verprügelt worden war, dann würden diese Trottel wahrscheinlich endlich eine ordentliche Strafe bekommen. Aber in Ruhe lassen, würden sie ihn nie. Lange Sekunden sah er die kleine Gruppe hasserfüllt an, doch dann schluckte er den harten Klos in seinem Hals hinunter und sah zu seinem Vater und zwang sich zu einem schiefen Lächeln. “Ich habe nicht aufgepasst. Da vorne hat das Gras nachgegeben und ich bin den kleinen Abhang runtergekullert.”

Acheron musterte seinen Sohn einige Augenblicke intensiv, rückte seine Brille zurecht und musterte die anderen Kinder nicht minder intensiv. “Ach, war es so?” Die Stirn des Weisen legte sich leicht in Falten. “Nun, dann müssen wir die Unterrichtsplanung etwas ändern. Ihr vier könnt den Wagen zum Wäldchen am Hügel ziehen. Ich möchte bis morgen eine 8 Seitige Abhandlung über eben diesen Wald und passendes Anschauungsmaterial. Ich bringe Pantelis zum Arzt. Das Horn muss behandelt werden. Wenn ihr fertig mit dem einsammeln und in die Kisten einsortieren seid, dann könnt ihr heim.”

Hatten die Vier erst höhnisch, dann als Pantelis sie nicht bei seinem Vater verpetzte überrascht aus der Wäsche gekuckt, jetzt entgleisten ihnen regelrecht die Gesichtszüge. Sie würden den restlichen Tag nichts anderes mehr tun, als Zweige, Blätter und sonstiges Zeug sammeln und bis spät in der Nacht an der Abhandlung schreiben. Sie wollten eigentlich protestieren, doch allein der Blick mit der Körperhaltung des Lehrers hielt sie davon ab. So murrten sie nur ein “Ja.” und schlichen schon fast, den Karren mit den Kisten hinterher ziehend, den Hügel hinauf. So hatten sie sich die Sache jetzt nicht vorgestellt.

“Komm Junge. Du hast Glück, daß wir heute Besuch haben.” Verwirrt sah Pantelis zu seinem Vater auf. Er verstand gerade garnicht, wie sein Vater herausbekommen hatte, daß er nicht einfach gestürzt war und warum er die Vier Raudies auf diese Art bestraft hatte, ebensowenig, wie er verstand, warum er Glück hatte, daß zuhause Besuch war. So wollte er eigentlich nicht Irgendwem unter die Augen kommen, außerdem tat ihm alles weh und er würde lieber in seinem Bett etwas lesen, als brav auf dem Kanapee zu sitzen, Tee zu schlürfen und den langweiligen Gesprächen über bevorstehende Auswahltests für die Dorfwache lauschen. “Warum?”

Einige Sekunden schwieg Acheron, doch dann rückte er seine Brille wieder zurecht und sah zu seinem Sohn runter. “Ich habe dir doch schon die Rollen über die Gesegneten gegeben, damit du sie studierst.” Pantelis nickte, bereute diese Kopfbewegung aber sofort wieder, während sein Vater mit einer Erklärung heraus rückte. “Estia die Gesegnete von den Steppenläufern hat vor einer Woche ihr Kommen angekündigt....,” Der Minotaur zog eine Taschenuhr aus der kleinen Westentasche und musterte das Ziffernblatt, kaum daß der Deckel aufgeschnappt war und nickte bedächtig, bevor er seinen Satz beendete. “…, und sollte eigentlich schon da sein.”
Und wenn der Mond in hellem Licht erstrahlt, die Nacht zum Tag macht und die schlafende Welt mit einem silbernen Schimmer belegt, dann wird das Unheil sich ankündigen.
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Re: Willkommen in der Familie, kleine Zentaura-Kindergeschic

Beitragvon fuyu » Do 16. Jan 2020, 21:28

Pantelis stapfte schweigend neben seinem Vater her. Die Geschichten über die Gesegneten hatte er eher für Märchen gehalten und jetzt kam wirklich solch eine Heilerin zu ihnen? Ob sie wirklich so übermäßig mächtig war? Der Junge wurde Schritt für Schritt aufgeregter, während er sein Taschentuch nutzte um das nochimmer blutende Horn und die Nüstern immer wieder abzuwischen.

Das verhältnismäßig große Haus, in dem seine Eltern und er lebten, kam in seinen Blick. Die Tür war wie immer offen, damit Jeder, der etwas von seinem Vater wollte sah, daß Jemand zuhause war um die Fragen, Anträge oder Sonstiges zumindest zu notieren. Acheron schob den als Blickschutz angebrachten Vorhang zur Seite, damit sein Sohn einfacher ins Haus eintreten konnte und folgte dem Jungen in die kleine Küche. Der Duft von Kuchen und Tee lag in der Luft. "Ah, mein Augenstern, du machst ja schon Tee. Sind unsere Gäste wirklich schon angekommen?"

Mit einem strahlenden Lächeln drehte sich Pantelis Mutter zu ihrem Mann herum, doch als Sevasti ihren Sohn sah, verschwand das Lächeln augenblicklich. "Mein Kleiner, war ist passiert?" Pantelis sah auf den Boden. "Ich bin nicht klein, Mama." Sanft strich die Minotaurin über das weiße Pony ihres Sohnes. "Das weiß ich doch." "Sevasti, die Gesegnete ist wohl schon in meinem Arbeitszimmer?" Die Minotaurin nickte. "Ja, sie hat es sich nicht nehmen lassen, dort auf dich zu warten. Aber Acheron, was ist denn mit unserem Kind geschehen?" Einige Augenblicke sagte er nichts, doch dann rückte er mal wieder seine Brille zurecht und sah seine Frau fest an. "Darüber sprechen wir später. Wichtiger ist jetzt, daß sich die Gesegnete ihn ansieht. Vielleicht braucht Pantelis ihre Hilfe."

Acherons Hand legte sich auf die schmale Schulter seines Sohnes und sanft schob er den Jungen in die Richtung des Arbeitszimmers. Langsam öffnete Pantelis die geschlossene Tür. Seine Ohren zuckten leicht. Für eine Gesegnete war de Stimme, die er leise durch das Holz vernommen hatte, noch sehr hoch. Bevor der junge Minotaur sich darüber jedoch Gedanken machen konnte, wurde er von seinem Vater ins Zimmer regelrecht hineingeschoben.

An der gegenüberliegenden Wand stand ein großer Schreibtisch. Unzählige Bücher und Schriftrollen standen und lagen auf dem Tisch und in den Regalen, die jeden freien Zentimeter der Wand befüllten oder waren auf dem Boden gestapelt. An der Decke baumelten Körbchen voll getrockneter Pflanzen, während auf dem Schreibtisch und auf den im Tisch eingelassenen Regalbrettern, Phiolen, Reagenzgläser und Fläschchen in allen erdenklichen Größen und Farben standen, während dazwischen ein Chaos aus Schreibutensilien und Papieren lagerte.

Vorm Kamin auf der rechten Seite des Raums, stand auf einem weichen, langflorigen Teppich, ein Tischchen und mehrere Sessel. Neben einem der Möbel stand eine ausgewachsene Zentaura, deren weißes Fell schwarze und braune Flecken hatte, während sich das braune Haar mit den weißen Strähnen in langen Wellen über ihren Rücken ergoß. Zwischen den langen, schlanken Beinen mit dem dichten Fesselbehang sah eine kleine Zentaura mit großen, braunen Augen hindurch. "Mama! Er hat ein Aua!"

Estia nickte langsam und ihre Goldbraunen Augen musterten den jungen Minotaur. "Ich sehe es Danae." Dumpf klangen die Hufe auf dem Teppich, als die Gesegnete auf Pantelis zu ging und sich dann vor ihn kniete. Ihre schmalen Hände glitten sanft über die Verletzungen. Die Wunden schlossen sich in wenigen Sekunden und hinterließen keinerlei Spuren. Doch als ihre Hand auf Pantelis Schläfe zu liegen kam seufzte sie leicht und blickte zu Acheron. "Für das Horn deines Jungen kann ich nichts tun, außer die Blutung ganz zu stoppen und diese Verletzung ist sehr schwerwiegend mein Freund. Ich weiß nicht, ob meine Fähigkeiten reichen, um die Zerstörung komplett zu beseitigen." Das leise Trappeln der Kinderhufe wurde beinahe vom Knistern des Feuers übertönt, als die kleine Zentaura auf Pantelis zugaloppierte, beinahe stolperte und den Minotaur dann aufmunternd anlächelte. "Ich helfe dir Mama!"

....Fortsetzung folgt....
Und wenn der Mond in hellem Licht erstrahlt, die Nacht zum Tag macht und die schlafende Welt mit einem silbernen Schimmer belegt, dann wird das Unheil sich ankündigen.
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